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Nikons AF 35mm 1:2D im Test

Für Situationen mit wenig vorhandenem Licht gibt es von vielen Herstellern als Standardobjetiv ein günstiges Modell mit 50mm Brennweite und einer recht hohen Lichtstärke (Blende f/1,7 oder 1,8). Im Falle des Nikon-Systems ist es das Nikkor 50mm 1:1,8D, welches auch für mich lange Zeit die erste Wahl war. In Verbindung mit der D700 erlaubte es das Fotografieren auf nächtlichen Straßen genauso wie in spärlich beleuchteten Innenräumen. Doch gerade in letzeren bot es mit seinen 50mm Brennweite oft einen zu engen Bildwinkel. Daher kaufte ich mir im Mai 2009 das Nikkor 35mm 1:2D, welches bei Offenblende ein Drittel weniger Licht einfängt als das 50mm, dafür jedoch als leichtes Weitwinkelobjektiv mehr vom Motiv abzubilden vermag. Verwendet man von Nikon eine “DX”-Kamera, sollte man bedenken, dass der Bildwinkel in etwa dem eines 50mm-Objektivs an einer Vollformatkamera (FX) entspricht. In diesem Fall hat man bei 35mm Brennweite ein Normal- und kein Weitwinkelobjektiv.

Nikon D700 AF Nikkor 35 2

AF Nikkor 35mm 1:2D an Nikon D700 - © Marina Biederbick

Lieferumfang, Ausstattung und erster Eindruck

Der kleine Karton enthält das Objektiv mit Deckeln für Vorder- und Rückseite. Eine Sonnenblende sowie ein Beutel können bei Bedarf seperat erworben werden. Erstere jedoch würde das Objektiv unnötig groß machen, zweiterer bei mir ein tristes Dasein im Schrank fristen. Daher vermisse ich das Zubehör in keiner Weise.
Wie das “AF” im Namen des Objektivs bereits erkennen lässt, verfügt es über einen Standardautofokus. Neuere Objektive von Nikon verfügen über einen Ultraschallautofokus, welcher mit “AF-S” gekennzeichnet wird. In diesem Fall ist ein eigener Autofokusmotor im Objektiv verbaut, welcher (nahezu) lautlos fokussiert und den Betrieb an Nikons Einsteigerkameras (z.B. D40, D3000, D5000) erlaubt. Diese verfügen nämlich über keinen Motor im Gehäuse und sind so auf den des Objektivs angewiesen. Möchte man das 35mm 1:2D an einer dieser Kameras einsetzen, so muss man deshalb manuell fokussieren. Größere Modelle (ab D90 aufwärts) verfügen über einen eigenen Motor, sodass der Autofokus des Objektivs einwandfrei funktioniert. Der Blendenring am Objektiv ermöglicht den Einsatz an manuellen analogen Kameras von Nikon, etwa der FM3a.

Nikon Nikkor 35 2 50 18 AF

AF Nikkor 35mm 1:2D und 50mm 1:1.8D - © Marina Biederbick

Im direkten Vergleich ist das 35mm-Objektiv um einige Millimeter größer als sein Pendant mit 50mm Brennweite. Auch das Gewicht liegt mit 205g zu 160g etwas höher. Trotzdem zählt es zu den kompaktesten und leichtesten Festbrennweiten von Nikon. Optisch erinnert es an die die ersten Autofokusobjektive aus den 80er Jahren, obwohl es erst 1995 auf den Markt kam. Das Objektiv macht mit seinem Tubus aus Kunststoff und Bajonett aus Metall einen durchaus wertigen Eindruck, im Vergleich zum 50mm 1:1.8 D wirkt es solider. Im Gegensatz zu diesem wird es in Japan und nicht in China hergestellt. So verhält es sich mit den meisten Produkten Nikons: die günstigen werden in China oder Thailand produziert, die teureren im Hochlohnland Japan.

Anwendungsgebiete und Alltag

Als lichtstarke, kompakte Festbrennweite bietet sich das Nikkor 35mm 1:2 D in erster Linie dazu an, mit der Kamera eine relativ leichte Gesamteinheit zu bilden. Im Falle der Nikon D700 sind das (mit Akku, Speicherkarte und Gurt) noch immer beachtliche 1350g. Die Kombination passt jedoch gut in eine Umhängetasche (z.B. Crumplers Muffin Top 4000) und kann auf diese Weise bequem mitgenommen werden.
Mit dieser Ausstattung war ich bis zum Kauf meiner Panasonic GF1 oft unterwegs. Abends, auf Feiern oder auch kleinen Ausflügen. Denn viele Motive lassen sich mit einer einzigen Festbrennweite durchaus gut einfangen. Man muss nur manchmal etwas näher an ein Objekt herangehen, statt den (nicht vorhandenen) Zoom zu verwenden.

Nikon D700 AF Nikkor 35mm 1:2D Frosch Plüsch Flohmarkt Theresienwiese München

Frosch auf dem Theresienwiesen-Flohmarkt in München (2010) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/250 sec, f/3.5, ISO 1600)

Wenn das Licht abends langsam nachlässt, erst dann beginnt mit dem 35mm f/2.0 die wirklich interessante Zeit. Mit den rauscharmen hohen ISO-Werten der Nikon D700 lässt sich auf Straßen und Plätzen bei Offenblende sehr gut fotografieren. Auch in künstlich beleuchteten Innenräumen stellt das Fotografieren kein Problem dar. Zum Beispiel während Ausstellungseröffnungen kann ich auf diese Weise ohne Blitz arbeiten und ganz unaufdringlich die Stimmung einfangen. Erst bei sehr stark gedimmter Beleuchtung stoßen Autofokus und Lichtstärke an ihre Grenzen, etwa in einem abendlichen Biergarten oder bei einer einzelnen schwachen Lichtquelle im Raum. Dann findet der Autofokus keine ausreichenden Kontraste mehr zum Scharfstellen und selbst der Sucher ist zum manuellen Fokussieren zu dunkel. Unter solchen Bedingungen muss man jedoch bereits mit ISO 12800 oder 25600 arbeiten, um unverwackelte Bilder erhalten zu können. Im Alltag kommt man nur sehr selten in diese Verlegenheit und wird mit der AF-Problematik daher kaum konfrontiert.

Erlangen Bergkirchweih 2009 Nikon 35 f/2 D700 Nikkor

Bergkirchweih Erlangen (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/100 sec, f/2, ISO 12800)

DJ Vinyl Domagk Nikon Nikkor 35 2 Atelier

Ateliereröffnung Domagk, München (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/200 sec, f/2, ISO 3200)

Domagk Atelier Besucherin Nikon 35 2 Nikkor

Ateliereröffnung Domagk, München (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/250 sec, f/2.5, ISO 3200)

Domagk Atelier Schnorchel Taucherbrille Nikon Nikkor 35 2

Ateliereröffnung Domagk, München (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/25 sec, f/2.5, ISO 3200)

Grillen Garten Rauch Nikon 35 2 Nikkor

Grillen im Garten, Bayern (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/1600 sec, f/4, ISO 800)

Abbildungsleistung

Verwendet man das Nikkor 35mm 1:2 D bei Tageslicht, fällt vor allem die sichtbare Vignettierung bei Offenblende auf. Zu den Bildrändern hin erkennt man eine starke Abdunklung, die im direkten Vergleich zu einer Aufnahme mit Blende f/8 besonders deutlich wird.

Sämtliche Vergleichsfotos wurden mit einer Nikon D700 als RAW (Nikon NEF) mit Lo-1 (= ISO 100) fotografiert, in Capture NX2 konvertiert und in Photoshop CS5 für die Webdarstellung optimiert ohne sie gesondert zu schärfen.

Nikon Nikkor 35 2 f2

Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (f/2) - bewegen Sie die Maus auf das Bild für f/8

Zu den Rändern hin schwindet nicht nur die Lichtausbeute, auch die Schärfe lässt hier bei Offenblende zu wünschen übrig. Erst bei Blende f/5,6 werden die Bildränder scharf und kontrastreich abgebildet, knackscharf sind sie erst bei Blende f/8. In der Bildmitte zeigt sich ein ganz anderes Bild. Hier ist der Bildeindruck bei Offenblende (f/2) zwar noch etwas weich, bei Blende f/2.8 macht die Schärfe bereits einen guten Eindruck und bei Blende f/4 ist sie dann sehr gut. Ein gewisses Maß an Verzeichnung ist dem Objektiv nicht abzusprechen. Wirklich sichtbar wird sie lediglich auf Architekturfotos und kann bei Bedarf leicht mit einem Programm wie PTLens herausgerechnet werden.

Nikon Nikkor 35 2 Randschaerfe

Linke obere Ecke, 100%iger Ausschnitt

Nikon Nikkor 35 2 Mittenschaerfe

Bildmitte, 100%iger Ausschnitt

Fazit

Klein, leicht und lichtstark. Mit diesen drei Attributen lässt sich das AF Nikkor 35mm 1:2D gut beschreiben. Die weiche Abbildung und starke Vignettierung bei Offenblende könnten Argumente gegen das Objektiv sein. Doch die Vignettierung vermag, gerade bei stimmungsvollen Momentaufnahmen, durchaus als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. In den Bildecken befindet sich nur selten ein wichtiges Motiv und so fallen die vermeintlichen Schwächen im Gebrauch kaum auf. Vielmehr genieße ich das geringe Gewicht und Packmaß, wodurch ich das 35mm mit meiner D700 zu privaten Anlässen lieber mitnehme als ein großes und schweres Zoomobjektiv. Gemeinsam mit dem preiswerten AF Nikkor 50mm 1:1,8D stellt es meine Lieblingsfestbrennweite dar und gehört auf Fototouren immer ins leichte Gepäck. Nur wenn es ganz kompakt und leicht sein soll, dann gebe ich meiner Panasonic GF1 den Vorrang.

Das AF Nikkor 35mm 1:2D jetzt kaufen

Das AF Nikkor 35mm 1:2D ist seit 1995 auf dem Markt, wird noch immer hergestellt und kann bei jedem Fachhändler neu erworben werden. Wenn ich meine Ausrüstung online kaufe, dann bei Amazon. Bislang habe ich dort nur gute Erfahrungen gemacht.

Nikon Nikkor 35 2 Lagerfeuer Strand Daenemark

Lagerfeuer am Strand, Dänemark (2009) - Nikon D700 & AF Nikkor 35mm 1:2D (1/20 sec, f/4, ISO 2000)

Nachtrag (09.03.2011):

Mittlerweile konnte ich auch das AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G testen. Einen direkten Vergleich beider Objektive habe ich deshalb an dieser Stelle veröffentlicht.

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4 Kommentare zu “Nikons AF 35mm 1:2D im Test”

  1. Couldnt agree more with that, very attractive article

  2. hallo. toller testbericht, sehr informativ. meine frage an dich: ist das 1.4er wirklich um das besser, was es mehr als das 2.0er kostet? ich denke, dass die gestalterischen mittel, gerade mit der unschärfe im randbereich bei offenblende, und das wunderschöne bokeh doch wirklich kein nachteil gegenüber dem neueren 1.4er sind.

  3. Danke! Das 35/1,4er spielt wirklich in einer anderen Liga. Zum einen verfügt es über eine um eine Blende höhere Lichtstärke, zum anderen gerät das “kleine” 35/2er bei steigender Sensorauflösung (auch abgeblendet) ganz schnell an seine Grenzen (die es ja eigentlich schon an der Nikon D700 erreicht). Dass der Preisunterschied von ca. 1500 € beim Kauf des lichstärkeren Objektivs vollkommen gerechtfertigt wäre, kann ich allerdings auch nicht behaupten. Evtl. kann das günstige Walimex 1,4/35 mm (ohne Autofokus) die Lücke schließen – bei großem Interesse könnten wir es dieses Jahr gerne testen.

  4. ich melde hiermit gerne meine Interesse für den walimex test an. Deine tests sind super gemacht, v.a. Die crops aus den Blendenreihen helfen enorm.

    Noch mehr Beispielbilder aus verschiedenen Situationen wären genial

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