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Ausstellungstipp: Miroslav Tichý – Die Stadt der Frauen

Miroslav Tichý, eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit wie kaum ein anderer Fotograf, oder gar ein Phänomen? Der talentierte Maler (geb. 1926) studiert Ende der 1940er Jahre an der Kunstakademie in Prag, mit der kommunistischen Machtübernahme wird sein Leben aus der Bahn geworfen. Als Regimegegner zieht er sich nach mehreren Gefängnis- und Psychiatrieaufenthalten in seine Heimat, die Kleinstadt Kyjov, zu seinen Eltern zurück. Tichý sattelt von der Malerei auf die Fotografie um.

Ausstellung Miroslav Tichý - Die Stadt der Frauen, Zephyr in Mannheim

Ohne Titel, Miroslav Tichý, ohne Jahr – © Miroslav Tichý / Jana Hebnarová. Courtesy L. & N. Kalischek, Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen

Unbeachtet von der Gesellschaft fotografiert er zumeist heimlich, sein Motiv sind die Frauen seiner Stadt, beim Sonnenbaden am See, beim Einkauf oder Spaziergang. Seine Kameras baut er teilweise aus einfachsten Materialien wie Papprollen, Teer und alten Brillengläsern selbst, woraus die Unschärfe seiner Fotografien resultiert. Über mehrere Jahrzehnte fotografiert Tichý an sechs Tagen die Woche jeweils etwa 100 Negative. Dadurch entsteht bis in die 1990er Jahre ein riesiges Werk, das der Künstler jedoch zu guten Teilen wieder zerstört. Seine Ausbelichtungen, die nicht selten Flecken und Kratzer aufweisen, klebt er mitunter auf Pappe und verziert diese mit Bunt- oder Filzstiften, Kugelschreiber oder flüssiger Farbe zu Bilderrahmen.

Ausstellung Die Stadt der Frauen,Miroslav Tichý, Museum in Mannheim

Ohne Titel, Miroslav Tichý, ohne Jahr – © Miroslav Tichý / Jana Hebnarová. Courtesy Gianfranco Sanguinetti, Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen

Vielleicht ist Tichý selbst der Mensch, der von seinem späten Ruhm und der Entdeckung durch die Kunstwelt im Jahr 2004 am wenigsten begeistert und beeindruckt ist, im Interview gibt er an, sich mehr für Sliwowitz und Bier zu interessieren, denn für Malerei und Fotografie. Bis zu seinem Tod 2011 lebt er zurückgezogen in ärmlichen Verhältnissen.

Schwarz-Weiß-Fotografie von Miroslav Tichý, Rahmen aus Pappe, bemalt

Ohne Titel, Miroslav Tichý, ohne Jahr – © Miroslav Tichý / Jana Hebnarová. Courtesy L. & N. Kalischek, Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen

Die Reiss-Engehlhorn Museen zeigen im Zephyr – Raum für Fotografie in Mannheim, noch bis zum 26. Mai die Ausstellung „Miroslav Tichý – Die Stadt der Frauen“. Zu sehen sind rund 180 Fotografien, die größtenteils bisher noch nicht ausgestellt waren.

Öffnungszeiten:
24. Februar – 26. Mai 2013
Täglich (außer Montag) 11 – 18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Familie 10 Euro, Gruppentarif 4 Euro (p. P.), Kinder, Jugendliche, Studenten, Azubis und Mitglieder 3 Euro

Öffentliche Führungen:
19. Mai 2013, 16 Uhr
26. Mai 2013, 14 Uhr
Teilnahmegebühr: 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, jeweils zzgl. Eintritt

Zephyr – Raum für Fotografie
Reiss-Engelhorn-Museen
Museum Bassermannhaus C4,9
68159 Mannheim

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website des Museums Zephyr Mannheim.

Miroslav Tichy Ausstellung in Mannheim, Zephyr, Raum für Fotografie, Die Stadt der Frauen

Ohne Titel, Miroslav Tichý, ohne Jahr – © Miroslav Tichý / Jana Hebnarová. Courtesy Juli Susin, Quelle: Reiss-Engelhorn-Museen

Ein 248-seitiger Katalog zur Ausstellung unter dem Titel „Miroslav Tichý: Die Stadt der Frauen“ ist im Kehrer Verlag erschienen und kann im Museum zum Vorzugspreis von 24,90 Euro erworben werden. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 29,90 Euro.

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