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Für ein Foto durch halb Deutschland – lohnt sich das?

Mannheim ist nicht München. Bei einem Blick auf die Deutschlandkarte wird diese geografische Wahrheit jedem sofort einleuchten. Knapp 400 Kilometer sind es laut Routenplaner in eine Richtung. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob eine solche Reise für das Besichtigen einer einzigen Ausstellung lohnt. In den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen wird derzeit die Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie – Meilensteine der Gernsheim-Collection“ gezeigt. Unumstrittenes Glanzlicht dieser Sammlung ist die erste konservierte Fotografie der Welt, Joseph Nicéphore Niépces „Blick aus dem Fenster in Le Gras“ von 1826. Dieses Foto ist im Besitz des Harry Ransom Center (Texas) und nun zum ersten Mal seit über 50 Jahren in Europa ausgestellt.
Im letzten, leicht abgedunkelten Raum der Ausstellung erwartet es den Besucher und könnte auf den ersten Blick für eine gerahmte Metallscheibe gehalten werden. Erst wenn man sich dieser kleinen, mit Asphalt beschichteten Zinnplatte nähert, erkennt man zaghafte Konturen. Paradoxerweise stellt der Asphalt die hellen Bildbereiche dar, dunkle Bereiche bildet oxidiertes Zinn. Um das Bild voll erfassen zu können, bewegt man sich unwillkürlich um das Bild herum und lässt die Reflektion der Ausstellungsleuchten für sich arbeiten. Für die hier gezeigte Reproduktion hatte Helmut Gernsheim einen ganzen Tag benötigt und in solcher Klarheit kann man das Original zu keinem Zeitpunkt erfassen. Dennoch (oder gerade deswegen) ist die älteste Fotografie der Welt im Original absolut faszinierend.

Nicephore Niepce erste Fotografie Blick aus dem Fenster in Le Gras 1826

„Blick aus dem Fenster in Le Gras“, Joseph Nicéphore Niépce, 1826 (Reproduktion Helmut Gernsheim) – © Reiss-Engelhorn-Museen, Forum Internationale Photographie, Historische Gernsheim-Collection / Harry Ransom Center, The University of Texas at Austin

Daneben sind weitere mehr oder weniger beeindruckende Werke und Techniken aus der Geschichte der Fotografie zu besichtigen. Wie so oft bei Ausstellungen mit Fotografien verschiedener Epochen, sind vor allem die Werke vergangener Zeiten beeindruckend. Die wunderbare Zeichnung von Albuminabzügen begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Und die (aus konservatorischen Gründen) hinter Samtvorhängen versteckten Salzpapierkopien von Kalotypien sind ebenfalls wunderbare Zeugen einer deutlich unkomfortableren Zeit der Fotografie.
Sollte man eine (abhängig vom Wohnort) längere Anfahrt und die 12 € Eintritt nicht scheuen, erhält man bis zum 6. Januar 2013 die vielleicht einmalige Gelegenheit, das wohl bedeutendste Werk der Fotografiegeschichte mit eigenen Augen erleben zu können. Ich würde es auf jeden Fall sofort wieder tun. Weniger als drei Stunden sollte man für die Ausstellung allerdings auf keinen Fall einplanen.

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